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Jan Ramroth

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    In Fotografie,Israel Auslandssemester

    Die Stadt Betlehem kenne ich schon seit dem Kindergarten vor allem von Krippenspielen an Weihnachten. Maria, Josef, die heiligen drei Könige, Kühe, Schafe und das Jesuskind im Stall.

    Heute ist es eher wegen seiner brisanten Lage erwähnenswert. Knapp 20 Kilometer entfernt von Jerusalem, in den palästinensischen Autonomiegebieten liegt die 30000 Einwohner große Stadt. Als Tourist kann man problemlos die israelischen Checkpoints passieren und in einem arabischen Bus für 6 Schekel (ca 1 €) nach Betlehem fahren und seinen kulturellen Horizont erweitern.

    Auch die Berliner Mauer kennt man. Auch wenn man sie nie live zu Gesicht bekommen hat, mahnende Mauerstücke finden sich als Gedenksteine oder als cooles Souvenir überall auf der Welt.
    Wer mal eine echte Mauer sehen will, mit allem was dazugehört, Wachtürme, Grenzposten, Graffity, Streetart von Banksy und Stacheldraht der sollte nach Betlehem fahren. Diese Mauer ist ca. doppelsohoch wie ihre berliner Vorgängerin, die politische Ausgangssituation ist Grundverschieden, nicht zu vergleichen. Hier geht es darum palästinensische Extremisten davon abzuhalten nach Jerusalem zu kommen und Anschläge zu verüben. Ein antipalästinensischer Schutzwall. Eine durchaus funktionierende Grenzbefestigung. Die Anschläge sind deutlich weniger geworden seit es die Mauer gibt. Auch die Zahl der nicht extremistischen Palästinenser die nach Israel kommen ist stark zurückgegangen. Genauso wie die Zahl der Israelis, die in die Palästinensergebiete fahren. Ohne eine Sondergenehmigung ist es für beide Seiten nicht gestattet. Die Auswirkung ist also die gleiche wie damals in Deutschland. Trennung, Separation. Ein weiterer Punkt an dem Israels Geschichte sehr eng mit der deutschen verknüpft ist.

    Mohammed, ein Palästinenser erzählt mit strahlenden Augen wie er mit 24 zum ersten Mal das Meer gesehen hat. Wie er als Tourist verkleidet, mit Fahrradhelm und Sonnenbrille auf einem modernen Mountainbike die Checkpoints passieren kann. Wie es seinen Verwandten beim Bau der Mauer erging, von geteilten Orten und Familien, abgeschnittenen Ländereinen, verlorenen Lebensgrundlagen. Von Sicherheitszonen und von minderjährigen Palästinensern in israelischen Gefängnissen. Er vergleicht Israel mit den Nazis, wir widersprechen ihm. Er ist gebildet, nicht festgefahren, nicht radikal, arbeitet bei einer Bank und engagiert sich in einer friedlichen pro palästinensischen Organisation. Ein seltsames gefühl entwickelt sich in meiner Magengegend, ich meine langsam zu begreifen was hier vor sich geht. Das Gefühl ist nur von kurzer Dauer.

    Vielleicht werden in ferner zukunft auch mal Mauerstücke zum Verkauf angeboten. Am besten sollte man jetzt schon versuchen was einzustecken. Doch ein Gefühl von hipper Ostalgie und Mauerromantik kommt nicht auf wenn man daneben steht. Eher Bedrücktheit, Unsicherheit und Schuldgefühle. Ich fahre gleich wieder rüber, nach Israel, wo ich lebe und studiere, wo es mir gut geht und wo ich mit Israelis zusammenwohne, die mich fragen werden wie es war. Die mir genaue Daten, Plätze und Zahlen von Selbstmordattentaten in unserer Nachbarschaft in Jerusalem nennen können wenn ich die Mauer in Frage stelle. Die keinen Palästinenser im Freundeskreis haben, keinen Austauschsemester mit Jordanien, Syrien, Ägypten oder der Westbank gemacht haben. Die immer von “den Arabern (the arabs)” sprechen, wie von einer sehr entfernten Kultur. Die auch weltoffen und gebildet sind. Nach humanistischen Grundsätzen erzogen wurden, ihre eigene Geschichte und die ihrer Vorfahren genau kennen.

    Beim nächsten Mal besuche ich auch die Geburtskirche, das eigentliche Highlight Bethlehems. Der Platz an dem Jesus das Licht der Welt erblickte bevor er anfing sie zu verbessern. Aber irgendwie hält sich mein Interesse für religionsgeschichte in Grenzen im Anbetracht der Aktualität von geradliniger und moderner Architektur, verziert mit allerlei Kunst, die man hier Bewundern kann.